Die Narrenzunft „Zigeuner“ Untertalheim

Entstehung

Schon im Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Steinachtal närrisches Treiben und es wurde, unter anderem mit Bergpredigten und kleineren Umzügen, Fasnet gefeiert. In den fünfziger Jahren kamen weitere Fasnetsveranstaltungen sowie Umzüge mit Fußgruppen, Wagen und dem Strohbär dazu. Nach diesen Umzügen fanden dann Narrenpredigten statt. Im Jahre 1962 beschlossen dann einige Bürger eine Narrenzunft mit Narrenrat zu gründen, welche dann ab dem Jahre 1967 als e.V. geführt wurde.

Der Name der Zunft führt in der Geschichte ins Jahr 1806 zurück. Damals bildete die Steinach die Grenze zwischen Württemberg und Vorderösterreich. Das Steinachtal war also der ideale Lagerplatz für das fahrende Volk. Kam der Büttel, so wechselten die „Zigeuner“ auf die andere Seite des Baches. So brauchten sie keine Steuern zu zahlen. Die Grenze gibt es heute nicht mehr, geblieben aber ist der Name „Zigeunerdäle“ und die Narrenzunft mit ihrem Büttel.

 

Zigeunerminis

Seit dem Jahre 1995 gibt es die Gruppe der Zigeunerminis. In dieser Gruppe wird es den kleinen Tänzerinnen und Tänzern ermöglicht, frühzeitig Bühnenluft zu schnuppern. Bereits im Alter von 6 Jahren stehen die kleinsten der Zunft auf der Bühne.

Zu zeigen haben sie so einiges: einen Show- und einen Gardetanz. In vielen Stunden üben sie mit viel Spaß die Tänze ein und begeistern während der Fasnet die Zuschauer aus nah und fern.
Beim Umzug tragen die kleinen Zigeunerinnen eine weiße Ruschenbluse, einen Zigeunerrock, weiße Handschuhe sowie eine Samtweste. Das Häs wurde angelehnt an das der großen Garde. Somit ergibt sich ein rundum schöner Anblick. Die etwas älteren Mädchen der Zigeunerminis erhalten einen langen Rock, welcher im Takt der Musik geschwungen wird.

Die Zigeunerminis sind verantwortlich für das Schmücken des Narrenbaums. Mit ihren Tänzen sorgen sie an der Seniorenfasnet sowie an den anderen Veranstaltungen in Talheim für super Fasnetsstimmung.



Das Zigeunerballett

Das Zigeunerballett der Narrenzunft "Zigeuner" Untertalheim wurde bereits 1967 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Somit gehört das Zigeunerballett zu einer der ältesten Gruppen unserer Zunft. Die Mädels und Frauen des Zigeunerballetts tragen eine weiße Rüschenbluse, einen langen wunderschönen Zigeunerrock, ein Mieder und ein Strumpfband. An den Umzügen bildet das Zigeunerballett die Spitze unserer Zunft und begeistert die Zuschauer mit ihrem einmaligen Häs, welches in dieser Form kein zweites Mal in der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet zu finden ist. Während des Umzugs schwingen sie ihre langen Röcke im Takt des Narrenmarsches.

An den Abendveranstaltungen sorgen sie mit ihren Tänzen für Begeisterung und gute Stimmung und präsentieren in dieser Form die Zunft. An Brauchtumsveranstaltungen tanzen sie in der Regel den Gardetanz und an Hexenbällen den Showtanz. Letzterer wird jährlich mit wechselndem Motto einstudiert. Das Motto sowie der Tanz bleiben ein Geheimnis bis zum Schluss.

Narrenrat

Das Häs des Narrenrates ist ebenfalls ganz im Zeichen der Zigeuner gestaltet. Das Häs besteht aus einer weißen Rüschenbluse, welche mit roten Stickereien versehen ist. Darüber wird ein schwarzer Samtbolero getragen. Ein Zigeunerhut, die rote Scherpe, weiße Handschuhe, der Narrenratsorden und die rote Fliege machen das Gesamtbild perfekt. Natürlich darf bei einem echten Zigeuner auch der Schmuck nicht fehlen, deshalb wird ein großer goldener Ohrring getragen. Das Narrenratshäs wird von den in den Ausschuss gewählten Mitgliedern, sowie von der Vorstandschaft, getragen.

Am Talheimer Umzug wird der Narrenrat auf dem Narrenratswagen gefahren. Der als Zigeunerwagen gestaltete Planwagen, mit der Aufschrift "Lustig ist das Zigeunerleben", ist somit das optimale Gefährt für den Narrenrat, um die Zuschauer reichlich mit Süßigkeiten zu beschenken.



Maskenzigeuner

Wie der Name zeigt, sind die Leitfiguren der Untertalheimer Fasnet die „Zigeuner“, welche bei den Fasnetsumzügen mit ihren Paaren ein herrlicher Anblick sind. Die Maskenzigeuner treten maskiert auf. Die maskierten Zigeuner sind im Vergleich zu den vielen unmaskierten Zigeunergruppen, die es im gesamten Schwäbisch-Alemannischen Fasnetsraum gibt, eine absolute Besonderheit. Ein Alleinstellungsmerkmal was unsere Zunft zu etwas ganz Besonderem macht. Während dem Umzug tragen die Maskenzigeuner eine "Schädder" bei sich, mit welcher sie passend zur Musik "Schäddern". Die Klänge der "Schädder" verdeutlichen den Umzugszuschauern, dass das Zigeunerleben immer lustig ist. Die farbenfrohen "Kleidle" unterstreichen das lustige Zigeunerleben. Die Gruppe der Maskenzigeuner organisiert jährlich das Programm sowie den Ablauf der Kinderfasnet.



Grundmännle

Seit 1977 bereichern die „Grundmännle“ die Fasnet. Hier wird vor allem den Narrensamen die Möglichkeit geboten, schon frühzeitig unter der Maske zu laufen. Nach alter Überlieferung kamen die Männlein aus einer Spalte am Fohl-Berg in der Nacht hervor und streiften durchs Dorf, wobei sie nicht nur allerhand Schabernack trieben, sondern hier und da mit fleißigen Händen den Bürgern einige Arbeiten über Nacht abnahmen. Unsere Grundmännle tragen hölzerne Larven, fellartige Umhänge mit gekreuzten Schellenriemen und einen Hammer, welcher am Talheimer Umzug mit Brezeln befüllt ist.



Wildezigeuner

Neben den bereits erwähnten Masken Zigeunern bildet die Gruppe der Wilden Zigeuner eine Zigeunergruppe, welche in Paaren unmaskiert auftreten. In den "Krätten" und Taschen der Zigeuner findet sich so manche süße Leckerei für Kinder und so manches edle Tröpfchen für die Erwachsenen. Merkmal für die Zigeunerfrau sind die langen schwarzen Haare, der lange Zigeunerrock, welcher mit flicken wieder zusammen genäht wurde und das rote Schultertuch. Der Mann trägt einen Zigeunerhut, einen Zigeunerohrring und eine Weste.

Der Bär

Schon im Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Steinachtal närrisches Treiben und es wurde, unter anderem mit Bergpredigten und kleineren Umzügen, Fasnet gefeiert. In den fünfziger Jahren kamen weitere Fasnetsveranstaltungen sowie Umzüge mit Fußgruppen und dem Strohbär dazu. Diese alte Fasnetsfigur war bis in die 70er Jahre auf den Untertalheimer Fasnetsumzügen zu sehen.

In den früheren Zeiten nutzen die Fasnetsbegeisterten zur Verkleidung das was sie sowieso zu Hause hatten. Als optimale Verkleidung bot sich hier das Stroh an, welches um den gesamten Körper herum gebunden wurde. Durch das wilde Auftreten des Strohbärs und die imposante Größe, welche der eingebundene durch das viele Stroh erhielt, wurde der Strohbär zu einer Figur vor der sich so manch einer fürchtete.

Aus den einst langen Halmen des Getreides sind durch die Industrialisierung der Landwirtschaft nur noch kurze Strohhalme als Endprodukt übrig geblieben. Somit wurde es immer schwerer, diese alte Form der Verkleidung als Tradition aufrecht zu erhalten.

Seit 2004 wird deshalb der Strohbär von zwei weißen Bären ersetzt.



Bucheleweible

Seit 2008 sind die Bucheleweible bei der Narrenzunft „Zigeuner“ Untertalheim als neue Gruppe aktiv. Die Bucheleweible wurden im Jahre 2000 in Obertalheim gegründet. Der Sage nach ist dies auf eine Wirtin zurückzuführen, die Wein mit Wasser gestreckt haben soll. Als die Wirtin zur Strafe hingerichtet wurde, hörten Buchelesammler im Buchelegraben fortan das wehleidige Gejammer der Wirtin. Um die Verknüpfung zur Sage herzustellen, führen die Bucheleweible am Umzug ein hölzernes Weinfass mit sich. Natürlich ist dieses gefüllt mit einem edlen Tropfen Wein. Doch wundert euch nicht, auch heute noch wird der Wein aus dem Buchelefass mit Wasser gestreckt. Ganz nach dem Motto: „ Drei Schoppen Wein und ein Schoppen Wasser geit au a Maß“, gibt es dann ein leckeres Schorle für die Umzugszuschauer .



Die Waldhexe

1963 entstanden die Waldhexen. Sie treiben der Sage nach ihr Unwesen vom Hexenloch bis in den Raidwald. Mit ihren schönen unterschiedlichen Holzlarven und dem selbstgeschnittenen Besen treiben sie auch heute noch zur Fasnetszeit ihren wilden Spuk.

 

Es ist den Männern vorbehalten unter die Hexenmaske zu schlüpfen. Die Strohschuhe werden von den Hexen selbst hergestellt. Beim Umzug werden sie meist begleitet von ihrem Hexenwagen und von ihrer legendären „Saukist“. Vor allem Mädels am Straßenrand sollten sich in Acht nehmen vor den wilden Hexen.